Über mich

Computer in Öl

 

Die Künstlerin Ilona Jentsch stellt auf der

 diesjährigen Cebit fünf Computerkunstwerke

aus, in denen sie Elektronikschrott mit

Ölmalerei kombiniert

 

Seit Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Mensch und Technik und arbeite sowohl mit herkömmlichen Materialien wie Ölfarben als auch mit Stoffen wie Glas, Teer oder Metall. Im Rahmen der Sonderveranstaltung „Chancen 2000-Computer und Umwelt“ stellt die Cebit nun fünf meiner Werke aus, die in dynamischer Weise die Verarbeitung von Elektronikbauteilen mit Ölmalerei kombinieren. Die Arbeiten demonstrieren zugleich die Integration der Kommunikations- und Informationstechnik in die Kunst. Unsere Epoche ist geprägt von elektronischer Kommunikation. Computer sind selbstverständliche und unverzichtbare Hilfen in allen Lebensbereichen geworden.

Auch als Künstler kommt man am PC nicht mehr vorbei. Das bizarre Innenleben der äußerlich so unscheinbaren Geräte, die Wunderwelt der Platinen, Magnetplatten, Kupferdrähte und Kabel, die sich hinter den Bildschirmen verbergen, faszinieren mich. Aus diesen Elementen und artverwandten Materialien, verbunden mit herkömmlichen Mitteln der Malerei, entstanden meine Assemblagen (3D-Collagen) in den Formaten 1,50 Meter mal 1,20 Meter auf Holzplatten. Sie repräsentieren zugleich die Dynamik, die das gesamte Computerzeitalter und die rasante Entwicklung der Computertechnik kennzeichnet. Meine Absicht was es, mit herausfordernden Motiven und der gestalterischen Wiederverwendung von Elektronikschrott an die Verantwortung für unsere Umwelt zu appellieren.

 

Zeitschrift „PAGE“ C10842E, August 1994, 9. Jahrgang

 

„Computersonne II“, 150 x 120 cm, Elektronikbauteile, Ölfarbe auf Gabunholz, 2006
„Computersonne II“, 150 x 120 cm, Elektronikbauteile, Ölfarbe auf Gabunholz, 2006

„Und entdeckte seine Schönheit im Detail“

 

Ilona Jentsch

 

Mensch und Technik, eines der ältesten Themen, sieht die Künstlerin Ilona Jentsch aus ihrer sehr eigenen Perspektive. Das Multimedia-Zeitalter, das uns verkabelt, vernetzt, verchipt und verbitet, kämpft mit einem großen Problem, dem Elektroschrott. Ilona Jentsch verwandelt ihn zu 3-D-Collagen, sogenannten Assemblagen: „Als 1994 die Projektleitung der CeBIT mit der Bitte an mich herantrat, die Begriffe Computer und Umwelt künstlerisch zu verpacken, war das für mich wie ein Sprung in das kalte Wasser. Ich sah mir diesen problematischen Schrott genauer an und entdeckte seine Schönheit im Detail. Was lag also näher, als das Innenleben dieser technischen Wunderwelt zu benutzen. Von einer Elektronikrecyclingfirma in München beziehe ich seitdem mein Material.“

 

Diese schwer zu verarbeitenden Einzelteile, sie sind weder bieg- noch formbar, fordern die Künstlerin zu kühnen Ideen heraus. Das Ergebnis sind vierzig Kilogramm schwere Assemblagen. Auf bis zu 1,50 m mal 1,20 m große Holzplatten muss sie die Materialien anschrauben, kleben oder nageln. Da man Platinen nicht anbohren kann, ist deren Befestigung besonders problematisch.

Ilona Jentsch benutzt von der Tastatur, von Kupferdrähten, Silberplatten, Magnetspulen, Platinen bis hin zu leeren Druckerrollen so ziemlich alles aus dem Innenleben von defekten Computeranlagen. Aus Elementen der veralteten Telefonanlage des Bundeskriminalamtes entstand zum Beispiel, ihre „Globale Vernetzung“.

„Mich faszinieren die Formen und Farben, die edlen, aber auch die teilweise giftigen Bauteile all dieser Materialien. Für mich zu schade zum Wegwerfen. So wie man in Wolken Formen und Gebilde erblicken kann, versuche ich, aus diesem stählernen und harten Computerabfall Bilder in Öl entstehen zu lassen.“

In der Tat! Ihre Assemblagen bilden eine ausgewogene Einheit. Mit kräftigen Ölfarben werden die dynamischen Aussagen unterlegt oder verstärkt. Technischer Abfall in Öl, eine zeitgenössische Dimension, die die Betrachter in Erstaunen versetzt und in ihren Bann schlägt. Ihre „Computersonne“, „Globale Vernetzung“, „Skyline“, „Grünes Gift“, „Fröhliche Computerwelt“, „PC-Strudel“ und einiges mehr wurden zuletzt im Neubau der Hypo-Bank am Kurfürstenplatz gezeigt.

 

Ilona Jentsch lebt seit 1964 als freischaffende Künstlerin in München. Geboren in Riga/Lettland. Sie studierte an der Hochschule für bildende Künste bei den Professoren Jaenisch und Lortz in Berlin.

Vor  Jahren lagen ihre Schwerpunkte noch in der Porträt und Ölmalerei. Nach mehreren Reisen in die Wildnis von Kenia begann sie, aus mitgebrachten Zweigen, Gräsern und Fellen überdimensionale Collagen anzufertigen. In den folgenden Jahren entstanden schon ihre ersten Assemblagen aus Glühbirnen und Radioteilen, Glas- und Spiegelscherben.

Sie erregten bei Ausstellungen im In-und Ausland einiges Aufsehen und wurden vielerorts kopiert. Für Ilona Jentsch ist Kunst Ausdruck unserer Zeit. Wenn diese zierliche Künstlerin einen Auftrag der NASA oder DASA bekäme, bin ich mir ganz sicher, sie würde aus Satelliten- und Raketenschrott unvergängliche Assemblagen zaubern.

 

Autorin: Marlis Moll

Fotos: Bettina Böhmer, Gerti Wagner

Zeitschrift: München Mosaik, Heft 2, 1996


"O.T", Pflanzlich vegetatives Material, Ölfarbe auf Leinwand, 130 x 120 cm, 2002
"O.T", Pflanzlich vegetatives Material, Ölfarbe auf Leinwand, 130 x 120 cm, 2002

Afrikazyklus

 

 

Die Arbeiten zum Afrikazyklus sind nach 2 Reisen nach Kenia entstanden. Sie geben Empfindungen, Emotionen wieder. Das etwas Dumpfe, teilweise auch Bedrohliche, für uns Europäer nicht Verständliche, kommt darin zum Ausdruck. Es sind ureigene absolut persönliche Gefühle, die sich in den Arbeiten spiegeln. Ilona Jentsch verwendet die typischen Farben Afrikas, braun, rostrot, verbrannte Erde, und beige, ausgetrocknetes, verdorrtes Pflanzenmaterial, Felle, Federn, fetischartige Gebilde, Assoziationen an Animalisches. In der Stierschädelskulptur wird der Lebenskreis angesprochen. Durch die eingearbeiteten Glasstäbe ziemlich scharf, spitz und aggressiv zeigt sie das ewige Verletzen und Verletztwerden, das Fürchterliche was man sich gegenseitig an tut, bewußt, oder unbewußt.Diese menschlichen Probleme sind überall gleich, ob in Afrika oder auf unserem Kontinent.

In allen Arbeiten versucht sie aber, die Kraft und Dynamik, die in diesem Land steckt, wiederzugeben. Die Ressourcen müssten nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden.